Anfänge der Psychomotorik und ihre Weiterentwicklung im Elementarbereich
In Deutschland geht das, was heute unter psychomotorischer Entwicklungsförderung verstanden wird, wesentlich auf die Arbeit von E.J. Kiphard zurück. Kiphard, Clown und Artist, der später Professor wurde, setzte die Erkenntnis, das Bewegung, Wahrnehmung und Erleben unmittelbar zusammenhängen, seit etwa der Mitte der 50er Jahre um. Sein Ziel, Kindern und Jugendlichen über eine vielfältige und lebendige Bewegungs- und Wahrnehmungsförderung einen Weg zur Persönlichkeitsentfaltung zu eröffnen wird heute in unterschiedlichen pädagogischen und therapeutischen Zusammenhängen umgesetzt. Dabei richtet sich der Blickwinkel der Pädagogen nicht auf die Defizite sondern orientiert sich an den Ressourcen und individuellen Stärken des Kindes.
Der Begriff Psychomotorik weist auf die enge und untrennbare Verbindung von Bewegen (lat. movere = bewegen) und Wahrnehmen bzw Erleben (griech.: psyche = Seele, Leben) hin. Der Fachausdruck betont, dass menschliche Bewegung wesentlich mehr ist als Fort-Bewegung. Er will darauf hinweisen, dass bei unseren Bewegungen viele andere bewusste und unbewusste Prozesse beteiligt sind. Wenn wir uns bewegen, nehmen wir mehr oder weniger bewusst unsere Umwelt (Personen und Dinge) wahr, reagieren auf diese und wirken auf sie ein. Zudem sind unsere Bewegungen und Körperhaltungen vielfach Ausdruck unseres Innenlebens. Wenn Kinder vor Freude hüpfen, vor Zorn trampeln oder in einem Spiel vertieft sind, wird dieser Zusammenhang sofort klar.
In der Psychomotorik wird die Bewegung als ein wesentliches Medium der Unterstützung und Anbahnung von Entwicklungsprozessen gesehen. Psychomotorik, als ein Konzept ganzheitlicher Erziehung und Persönlichkeitsbildung im Kindergarten, berücksichtigt vor allem die Bereiche Wahrnehmung, Körpererfahrung und soziales Lernen, wo die Eigentätigkeit des Kindes im Vordergrund steht. Durch Erfahrungen in der Gruppe kommt es zu einer Erweiterung seiner Handlungskompetenz und Kommunikationsfähigkeit. Spiel und Spielfreude ist dabei eine zentrale Dimension im Lernprozess der Kinder. Spielerisches , selbstbestimmtes Tun motiviert Kinder, insofern sind Spielen und Lernen in der Psychomotorik untrennbar verbunden.
Oder mit den Worten von Astrid Lindgren:
"Kinder sollten mehr spielen, als viele Kinder es heutzutage tun. Denn wenn man genügend spielt, solange man klein ist – dann trägt man Schätze mit sich herum, aus denen man später sein ganzes Leben lang schöpfen kann. Darum weiß man, was es heißt, in sich eine warme, geheime Welt zu haben, die einem Kraft gibt, wenn das Leben schwer ist. Was auch geschieht, was man auch erlebt, man hat diese Welt in seinem Inneren, an die man sich halten kann."